|
DIE GESCHICHTE
DER GRÜNEN MAPPE
Ihr wißt ja gar nicht, was nach so
manchem Übungsabend oder Auftritt in unserer grünen
Mappe, im Marschbuch oder auch im Ständchenheft so los
ist.
Die wildesten Geschichten und Gerüchte
passieren da. Das hörte man ja letzte Woche, als Möhle
wie üblich seine Mappe fallen ließ und Schützenliesel
zu Boden ging. Sie packte die Gelegenheit beim Schopfe und
erzählte von sich und von ihren Mitbewohnern:
Im Rhythmus der Jugend fing
damals alles an. Die Bergvagabunden brachten
die Tulpen aus Amsterdam und Schützenliesel
erlebte zusammen mit Anton aus Tirol eine
schöne Liebe im Hafen. Zu der Musik
von Anker gelichtet ging es für die
beiden los. Sie riefen noch einen schönen Gruß
an Kiel sowie an die Hoch- und Deutschmeister
und machten sich auf eine große Reise.
Zuerst ging es durch’s Zillertal
und den Odenwald, wo auch bereits die fahrenden
Musikanten warteten. Sie riefen: „Jetzt
geht’s rund!“ und machten Stimmung,
Stimmung, Stimmung.
Schützenliesels Freundin, die
Fischerin vom Bodensee, schnappte sich die Holzhackerbuabn
und sagte unter rauschenden Birken: „Du
darfst mich lieben für drei tolle Tage!“,
weil ja gerade Wochenende war. Auf einen von den dreien, den
weißen Birken, pfiff der Dompfaff
Clavelitos.
Unter der Bewirtung von Köhlerliesel
übernachtete das Liebespaar im alten Försterhaus,
welches im Wald oder auf der Heide stand.
Vor lauter Happiness wußten
sie gar nicht wohin, vielleicht nach Kufstein?
Sie entschieden sich jedoch für Königswinter
und trafen dort auf den jungen Wandersmann,
der Grüße aus dem Egerland von
Ännchen von Tharau überbrachte,
die dort zur Zeit mit dem Weltenbummler Urlaub
machte.
Nun ging es weiter zum Wildbach.
Unter den hohen Tannen schaute Anton seiner
Liesel tief in die Augen und schenkte ihr eine Rose
vom Wörthersee. Mit diesem Echo der
Liebe sagte sie: „Aber Dich gibt’s
nur einmal für mich!“ Er war verzaubert,
sein Herz war ein einziges Bienenhaus und
sagte: „Fliege mit mir in die Heimat.
Dort machen wir einen American-Trail!“
Gesagt, getan.
Nach lustiger Fahrt wurden
sie von Clementine und Tom Dooley
am Hafen empfangen. Sie nächtigten am Zuckerhut
in Rio, wo in der Ferne die Melodie des Colonel
Bogey erklang.
Doch schon bald kaufte sich Anton vor lauter
Herz Schmerz einen Tirolerhut, denn
irgendetwas mußte ihn an die Heimat erinnern.
In diesem Moment dachte er an seine uneheliche
Tochter Suse, liebe Suse, die gerne mit dem
Kuckuck und dem Esel an der klappernden Mühle
am rauschenden Bach spielte und dann und wann mit
dem Männlein stehend im Walde dem Zwitschern
und Pfeifen der Vögel lauschte, die schon alle da waren.
Mit einem Satz erwachte er aus seinem Tagtraum,
denn die Flippers hatten wie immer ein fröhliches
Lied auf den Lippen. Zu den Tönen von Mona Lisa
packte ihn die unbändige Sehnsucht nach seiner verflossenen
Liebe Lore. Er schnappte sich seine Schützenliesel,
schwang sich hoch auf den gelben Wagen und
fuhr über Toronto zum Hafen. Dort angekommen
sahen sie Clementine und Tom Dooley wieder am Hafen stehen,
die zum Abschied die Yellow Rose of Texas
überreichten. Im Hintergrund spielten die "Tinner
Jäger" das Lied Servus, pfüat Gott
und auf Wiedersehn.
Mit Tränen in den Augen aber auch voller
Sehnsucht betraten sie das Schiff.
Wieder im Egerland angekommen
erklangen die Abendglocken. Sie gingen zu
Schützenliesels Mutter Adelheid, die
mit den vielen Gartenzwergen vor dem Haus.
Am nächsten Morgen schickte Adelheid
ihren Schwiegersohn in spe in den Wald, um die hohen Tannen
zu fällen, denn der Jäger aus Kurpfalz
war in der vergangenen Woche nicht dazu gekommen. Leise
rieselte der Schnee schon auf den Waldboden, es war
ja auch kurz vor Weihnachten. Er ging mit seiner Laterne
durch den Wald und traf dort auf Sankt Martin.
Martin hatte wie immer eine tolle Story auf
Lager. Nach langen Überredungskünsten brachte Anton
Martin doch dazu, ihm alles von der letzten Fete der "Schützenkapelle
Wippingen" zu erzählen.
Martin hatte Tocher Zion
nach Hause gebracht, was er natürlich gerne getan hatte,
schließlich wartete er schon lange genug darauf, daß
Tochter Zion ihn überhaupt mal registrierte. Doch wider
Erwarten empfand auch Tochter Zion tiefe Zuneigung in dieser
stillen Nacht. Sie fühlten sich wie
über den Sternen. Aber es durfte noch
keiner von ihrer jungen Liebe etwas erfahren, da sie noch
offiziell mit dem Weihnachtsmann verheiratet ist, weil dieser
für Deutschland ja ein Visum braucht.
Sonst fällt Weihnachten dieses Jahr
aus!
Aber da kann Schneider Hermann von der Ausländerbehörde
sicherlich etwas regeln.
Sankt Martin stand unter Zeitdruck und Anton
versicherte ihm absolute Verschwiegenheit.
Anton brachte die hohen Tannen zu Adelheid,
da diese die Bäume auf dem 2. Wippinger Weihnachtsmarkt
verkaufen wollte. Adelheid bedankte sich bei Anton mit roten
Rosen und dieser traute sich nun endlich, um die
Hand von Schützenliesel anzuhalten. Adelheid hatte Bedenken,
da Anton nicht treu sein kann. Doch sie verwarf alle Skrupel,
da sie dem Glück ihrer Tochter nicht im Wege stehen wollte.
Anton überbrachte die frohe Botschaft
sofort seinem Herzilein und sie beschlossen,
das der Brautchor zu Karneval erklingen sollte.
Es war ein rauschendes Fest, zu dem sie alle
Freunde einluden. Die Brautjungfern Marianka
und Rosamunde waren mit dem Radl
da, um auch ordentlich mitfeiern zu können.
An diese Hochzeitsfeier wird man sich noch
lange erinnern!
|